Ehrliche Gedanken an Lehrer & Ärzte

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Gedanken mit dem Internet teilen soll, dann fiel mir auf, dass ich genau das tun sollte – einer der tieferen Beweggründe, warum ich Lehrern und Ärzten E-Mails und teilweise richtige Romane geschickt habe, war/ist, weil ich mich nicht verstecken will.

Nach den Ferien gingen bereits ein paar ehrliche Worte an zwei Lehrpersonen (und vor nicht einmal einer Stunde an die dritte) und mir liegt es sehr am Herzen, offen mit meinen Gedanken und Empfindungen umzugehen – mit allen. Während ich letztes Jahr nicht mehr zur Schule ging und im Grunde „auf der Flucht“ war, möchte ich meine zweite Chance nicht vertun. Das ist wohl eine meiner größten Ängste, dem System Schule nicht gewachsen zu sein oder zumindest zu denken, es nicht zu sein. Ich denke, die unschöne Wahrheit ist in dem Fall der beste Weg, sich Verbündete ins Boot zu holen, um die negativen Gedanken ein für alle Mal zu unterbinden!

Und jetzt lasst uns mit einigen Textausschnitten beginnen – es kann zu Überschneidungen bestimmter Aussagen kommen, da Inhalte aus drei verschiedenen Mails entstammen. Ich möchte an dieser Stelle eine Triggerwarning setzen, obwohl ich persönlich nicht denke, „zu tief“ ins Thema Trigger einzugreifen. Aber, sicher ist sicher:

„(…) muss ich mich mit der Frage herumschlagen, was ich ohne der Essstörung überhaupt bin. Es fällt mir unglaublich schwer, mich von diesem Bild der „Kranken“ zu befreien, wahrscheinlich habe ich genau deshalb seit Kurzem (leichte) Panikattacken – Angst, nicht alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen – als würde ein Schwert über mir schweben und mich dazu zwingen wollen, mich zwischen „Zunehmen, Gesund werden“ und „Schule, tägliche Abläufe“ zu entscheiden.

Der Punkt ist, diese Frage ist eine dumme Frage –  denn ich will beides.

Nur meinem Kopf/meinen Körper interessiert das nicht immer, manchmal bin ich ohne Grund müde, bekomme schlecht Sauerstoff, würde gerne weinen oder mich verstecken. Habe das Gefühl, die Zeit würde einfach nicht vergehen. Ich sitze in der Klasse und starre auf die Uhr, starre und starre – und innerlich ist das wie unter Wasser, die Sekunden ziehen sich hin und ich würde nichts lieber tun, als aufzuspringen und nach Hause in mein Bett zu gehen.“

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„Ich bin gegangen und irgendwann bin ich stehen geblieben und wollte einfach wieder zurück, jetzt bin ich (wieder) Zuhause und ich weiß nicht, wie ich mich überhaupt noch mögen soll, wenn ich dauernd solche Ausfälle habe und flüchte. Ich wäre am liebsten ein

ganz normales Mädchen und keines, das fast 20% Fehlstunden hat und gerne alleine ist.“

„Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, habe ich in den letzten Wochen/Monaten wieder einiges an Fehlstunden „gesammelt“, die durch verschiedene Gründen ausgelöst worden sind – fast alle davon psychischer Natur. Das hängt nur zum Teil mit der Essstörung zusammen, viel mehr (bzw. auch) habe ich zurzeit mit Ängsten, Panikattacken und den dadurch verstärkten Depressionen zu kämpfen. Stress und Anforderungen lösen in mir Panik aus (…) Diese Empfindungen treiben sich gegenseitig bis an die Spitze, naja, (…) flüchte und mich zurückziehe – raus aus der Situation. Diese „Stress-Situationen“ sind im Allgemeinen mit der Schule oder Aufgaben, die streng zu befolgen sind, verbunden und mir fällt es sehr schwer, mich aus dieser Panik zu befreien, ohne (wie bereits erwähnt) den Ort des Stresses zu verlassen.“

„Ich habe Angst, alles in den Sand zu setzen, aber offensichtlich ist diese Angst gegen meine inneren Triebe machtlos. Es ist komisch, ich hasse mich für alles, was ich bin und dennoch gefällt es mir nicht, mich verändern zu müssen. Vielleicht, weil ich es einfacher ist, alles beizubehalten, anstatt ein Risiko einzugehen, bei dem weiß-Gott-was passieren könnte.“

„Ich gerate dann in einen Konflikt mit mir selbst, denn im Grunde würde ich diese Leistungserhebungen am liebsten wie jeder andere auch, normal durchziehen und gut ist, allerdings gelingt mir das nicht – ich kann in diesem Konflikt nicht gegen mich bzw. die Angst gewinnen. Und dann komme ich eben in dieses „flüchten und zurückziehen“ und Fehlstunden „sammeln“. Leider.“

„Meine Therapeutin ist im Moment recht streng. Sie sagt, entweder ich muss mich zusammenreißen und Schule + Recovery im Paket durchziehen, oder ich muss die Schule eben lassen, in eine Klinik gehen und mit der Tatsache, das Jahr zu verlieren, selbst klarkommen.

Mich macht das wütend, weil ich das Gefühl habe, wie ein kleines, dummes Kind behandelt zu werden (binde doch endlich deine Schuhe zu, es ist doch wirklich nicht so schwer!), aber vielleicht liege ich da auch falsch:“

„(…) ich bin an dem Tag (schwupps) in der Pause nach Hause gegangen, war kurz davor, die Fassung zu verlieren (…) Eines meiner Probleme sind Leistungserhebungen vor der ganzen Klasse. Obwohl, nicht einmal zwangsläufig in allen Fächern (…) Dann bekomme ich Panik, was auch der Grund für meinen Abgang am Montag war und das trotz der Tatsache, dass ich den Vortrag für Englisch gut vorbeitete habe (…) Und die Nachmittagsstunden sind für mich in diesem erschöpften was-auch-immer Zustand fast nicht zu schaffen – eine Art Dauermüdigkeit, egal, wieviel ich schlafe.“

„Ich hoffe, ich konnte Ihnen das irgendwie begreiflich machen – dass ich nicht absichtlich fehle, weil ich Schule dumm finde oder so (…) Ich möchte an dieser Stelle erstmal einen Punkt machen. Es gäbe noch einiges zu erzählen, doch ich lasse es nun gut sein.“

„Grüße Marie-Lena, (die Zuhause ist und vor Wahnsinn lacht und weint.)“

Falls ihr bis hier her gelesen haben solltet, dann Glückwunsch, das war ein ganz schöner Brocken an Gedanken-Wirrwarr!

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